Wissenswertes









Mit Olivenöl gegen Herzinfarkt

von Verena Thurner

Mediterrane Ernährung schützt vor Herzinfarkt. Das ist wissenschaftlich klar erwiesen. Das Kantonsspital Winterthur führt als erstes Spital in der Schweiz die mediterrane Ernährung für seine Herzpatienten ein.

Bouillon mit Kerbel, Lammnierstück an Knoblauchsauce, dazu Trockenreis, gedämpfte Tomate und Saisonsalat, zum Dessert Obst. Oder doch lieber geräuchertes Forellenfilet, Pouletspiessli an Rosmarinsauce mit Polenta und Ratatouille? Das sind keine Menüvorschläge eines GaultMillau-Restaurants, sondern das Angebot für Herzpatienten im Kantonsspital Winterthur. "Selbstverständlich können auch andere Patienten von diesem Angebot profitieren", sagt PD Dr. Peter Ballmer, Chefarzt der Medizinischen Klinik am Kantonsspital und "Mister Mediterran" unter den Schweizer Medizinern. Seit über fünfzehn Jahren ist er an klinischer Ernährung interessiert, im speziellen am Management der Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im Rahmen dieser Tätigkeit ist er auf die mediterrane Küche gestossen.

Wissenschaftlichen Support hat Dr. Peter Ballmer auch von der "Lyon Diet Heart Study" bekommen, einer Studie, deren Resultate im renommierten britischen Medizinfachblatt "The Lancet" und im vergangenen Jahr auch im amerikanischen "Circulation" publiziert wurden. "Die Studie hat bei Patienten, die bereits einen ersten Herzinfarkt erlitten haben, über vier Jahre untersucht, ob ein Wechsel auf mediterrane Kost tödliche und nichttödliche Herzinfarkte verhindern kann. Das Resultat war verblüffend: Bei 300 Personen, die sich wie bisher ernährten, erlitten 44 einen Herzinfarkt. 300 Herzpatienten ernährten sich über vier Jahre mit mediterraner Kost. In dieser Gruppe gab es nur gerade 14 Herzinfarkte", erklärt Dr. Ballmer. "Die mediterrane Küche ist eine früchte- und gemüsereiche Ernährung mit hohem Anteil an Kohlehydraten und günstigen Fetten, vor allem pflanzlichen Ölen wie Olivenöl oder als Alternative Rapsöl. Die Arteriosklerose, die zum Herzinfarkt führen kann, wird durch regelmässige mediterrane Ernährung verhindert", sagt Dr. Ballmer.Die Ernährungsanweisungen der "Lyon Diet Heart Study" für mediterrane Kost lauten: mehr Brot, mehr Wurzelgemüse, grünes Gemüse und Fisch, weniger Fleisch, statt Lamm, Schwein oder Rind: Huhn. Kein Tag ohne Frucht, Butter und Rahm durch spezielle Margarine ersetzen. Öl für Salate etc.: Oliven- und Rapsöl. Ein bis zwei Glas Wein - vorzugsweise Rotwein - pro Tag für Personen ohne Alkoholprobleme zu den Mahlzeiten sind erlaubt.

In Küchenchef Ruedi Manser hat Dr. Peter Ballmer einen optimalen Umsetzer seiner Ideen gefunden. Der 42jährige Winterthurer Koch hat vor seiner Karriere als diplomierter Spitalkoch in diversen Fünfsternehotels in der Schweiz gearbeitet. "Es ist eine Herausforderung, für Gäste zu kochen, die das Lokal nicht aussuchen können. Im Spital bestimmen die Ärzte, was der Patient zu tun und zu lassen hat, natürlich zu seinem Wohl. Wenigstens beim Essen können die Gäste vom Kantonsspital Winterthur selber bestimmen", sagt Ruedi Manser.

   

Damit Patienten nach der Entlassung vor einem weiteren Herzinfarkt geschützt sind, bekommen sie Anweisungen durch eine Ernährungsberaterin. "Nur so macht unser Angebot Sinn. Ohne Beratung wäre es bloss Augenwischerei", ist Dr. Peter Ballmer überzeugt.

Lesen Sie dazu auch den Bericht Kantonsspital Winterthur KSW führt als erstes Spital in der Schweiz die mediterrane Ernährung offiziell ein

(Quelle +© Schweizer Illustrierten publiziert am 7. Februar 2000)

www.olivenmarkt.de/markt/wissen/wissen3.htm